© Thomas Heinrich, 2019.
22 Jahre alt
Aus Syrien
Wohnhaft in Leipzig
Auf der Suche nach einem
Ausbildungsplatz als Medizinische
Fachangestellte Mein Name ist Helen. Ich bin 22 Jahre alt und komme aus Syrien. Seit November 2015 lebe ich mit meinem Bruder in Leipzig. In den ersten Wochen und Monaten in Deutschland habe ich nur daran gedacht, schnell Deutsch zu lernen und dann meine Eltern nach Leipzig zu holen. Deswegen habe ich bereits in der Erstaufnahmeeinrichtung (Friederikenstraße in Leipzig) jede Möglichkeit wahrgenommen, die Sprache zu erlernen. Nebenbei unterstützte ich dort die Mitarbeiter der Kinderspielstube bei ihrer Arbeit wie z.B. bei der Freizeitgestaltung für Kinder, leistete einfache Dolmetscherdienste aus dem Arabischen ins Deutsche und umgekehrt. Erfahrungen auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft. Nachdem mein Asylantrag positiv entschieden wurde, fing ich an zu überlegen, was ich nach meinem Integrationskurs in Deutschland machen werde. Bereits als kleines Kind stand für mich fest, einen Beruf im medizinischen Bereich zu erlernen. Ich habe in Syrien neun Jahre die Schule besucht, mein Abschluss wurde hier als Hauptschulabschluss anerkannt.  Meine ersten Eindrücke von Deutschland waren sehr angenehm aber meine Gedanken waren stets bei meinen Eltern und meinen Geschwistern, die in der Türkei und in Syrien zurückgeblieben sind. Es ist eine große Herausforderung für mich – als Frau mit Kopftuch – einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Einmal wurde ich auf der Straße von einer Passantin angesprochen, warum ich ein langes Kleid und Kopftuch trage – das steht doch nicht im Koran. Daraufhin antwortete ich: „Das ist doch meine Religion“. Aufgrund meiner begrenzten Möglichkeit sprachlich in einer Diskussion meinen Standpunkt zu vertreten, ging ich weiter. Ihre Sätze, die sie mir hinterherrief, habe ich leider oder auch zum Glück nicht verstanden.  Über RESQUE 2.0 in die Berufswelt. Vom ersten Tag an habe ich Unterstützung, Hilfe und Zuspruch von verschiedenen Leuten bekommen, wie z.B. von den Sozialarbeitern im Asylbewerberheim in der Torgauer Straße und von den Mitarbeitern des Naomi e.V. Bei der DAA Leipzig habe ich meinen Willkommenskurs gemacht, so erfuhr ich vom Projekt RESQUE 2.0. Nach den ausführlichen Gesprächen zur Berufsorientierung kümmern wir uns gemeinsam mit dem RESQUE 2.0 – Team um die Suche nach einem Ausbildungsplatz als Medizinische Fachangestellte. Seit Februar 2018 heißt es „bewerben, bewerben, bewerben“, bis jetzt leider erfolglos. Aber ich kann mir gut vorstellen, ein Jahr FSJ oder BUFDI im medizinischen Bereich zu absolvieren, um mich im nächsten Jahr neu zu bewerben. Ausbildungsplatzsuche ist ein Fulltimejob, sodass mir wenig Freizeit bleibt. Jede freie Minute versuche ich Kontakt zu meiner Mutter in der Türkei aufzunehmen. Sie interessiert alles, was ich mache, wie ich die Sprache lerne, mit wem ich meine Freizeit verbringe und natürlich wie meine Suche nach einem Ausbildungsplatz läuft. Sehr gern erzähle ich ihr aus meinem Leben, weil hier alles anders und neu für sie und auch für mich ist.  Für die Zukunft. Ich wünsche mir eine Ausbildung im medizinischen Bereich erfolgreich abzuschließen, einen guten Job zu finden und selbstverständlich eine Familie zu gründen. Verlobt bin ich schon. Leipzig im Juli 2018.

Helen