© Thomas Heinrich, 2019.
34 Jahre alt
Aus dem Kosovo
Wohnhaft in Leipzig
Im 3. Jahr der Ausbildung zum Glas- und
Gebäudereiniger
  Mein Name ist Avni. Ich komme aus dem Kosovo. Ich habe mit meiner Frau und meinem dreijährigen Sohn im Februar 2015 einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Ende März 2015 wurden wir dann der Stadt Leipzig zugewiesen. Zunächst wohnten wir in einer Asylbewerberunterkunft, ungefähr seit August 2015 wohnen wir in Leipzig in einer Wohnung. Wir waren zuerst einmal sehr erleichtert, gesund und unversehrt mit unserem kleinen Sohn in Deutschland angekommen zu sein. Wir waren froh, in der Erstaufnahmeeinrichtung versorgt zu werden. Wir wurden mit einer weiteren Familie in einer Wohneinheit untergebracht, jeder hatte ein Zimmer. Die großen Einrichtungen mit viel Unruhe, vielen verschiedenen Menschen, die viele Fragen, Sorgen oder Probleme hatten und die wenige Privatsphäre waren besonders für meine Frau und unser Kind nicht einfach. Damals kamen viele Menschen aus Albanien und dem Kosovo als Asylbewerber nach Deutschland. Für die Verständigung wurden immer Sprachmittler gesucht. Ich konnte bereits Deutsch und habe daher in allen Unterkünften ehrenamtlich als Sprachmittler geholfen. Unser Asylantrag wurde abgelehnt. Über RESQUE 2.0 in die Berufswelt. Die Sozialarbeiterin der Gemeinschaftsunterkunft Riebeckstraße, in welcher ich damals wohnte, hat für meine Unterstützung einen Termin beim Projekt RESQUE 2.0 hergestellt. Die Projekt-Mitarbeiterinnen im Referat für Migration und Integration bei der Stadt Leipzig und bei der DAA Leipzig haben mich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz unterstützt. Sie haben auch Kontakte mit den Ausbildungsbetrieben aufgenommen, da diese viele Fragen hatten, wenn sie einen Auszubildenden mit Duldung einstellen würden. Das Projekt unterstützt mich auch bei allen Fragen im Zusammenhang mit Behörden, denn es gibt viele Sachen zu beachten und Formulare auszufüllen – z.B. wenn es um die Ausbildungsduldung ging, um die Geburtsurkunde für meinen Sohn, Fragen zum Lebensunterhalt oder zum Kindergeld. Erfolgreiche Integration trotz unsicherer Zukunft. Ich habe einen Berufsschulabschluss als Elektroinstallateur im Kosovo gemacht. Im Unterschied zu Deutschland ist dies aber eine schulische Ausbildung gewesen und es war nicht möglich, praktische Erfahrungen zu sammeln. Gearbeitet habe ich im Kosovo mehrere Jahre als Maler. Seit dem 01.09.2015 mache ich in Leipzig eine Ausbildung zum Glas- und Gebäudereiniger bei der Firma Gegenbauer. Ich bin jetzt im 3. Lehrjahr und stehe kurz vor dem Abschluss meiner Ausbildung. Die Berufsschule war etwas schwerer für mich, weil ich noch sehr viele Fachwörter lernen musste. Mein Ausbildungsbetrieb und meine Lehrer in der Berufsschule haben mich immer unterstützt, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. So ist meine Ausbildung bisher sehr erfolgreich verlaufen. Mir hat sehr geholfen, dass ich bereits die deutsche Sprache konnte. Da ich als ehrenamtlicher Sprachmittler viele Asylbewerber zu Ämtern, Ärzten und anderen Stellen begleitet habe, habe ich viele Leute und Strukturen kennengelernt. So habe ich nicht nur andere Menschen unterstützt, sondern auch viele für mich selber hilfreiche Tipps, Informationen und Kontakte bekommen.  Seit dem Inkrafttreten des Integrationsgesetzes im August 2016 habe ich eine sogenannte Ausbildungsduldung – diese ist bis zum Ende meiner Ausbildung am 31.07.2018 gültig. Das größte Problem für mich war und ist es, keine Sicherheit und Verlässlichkeit für die Zukunft zu haben. Trotz meiner Vorkenntnisse war es sehr schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden, weil auch die Ausbildungsbetriebe eine Garantie haben wollten, dass ich während und nach der Ausbildung in Deutschland bleiben kann. Ich weiß zwar, dass es die Möglichkeit gibt, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, wenn ich die Ausbildung erfolgreich beende und in meinem Beruf arbeite. Ich hoffe auch, dass dies klappt; aber es bleibt das Gefühl der Unsicherheit. Viele Landsleute glauben zum Beispiel nicht, dass ich nach der Ausbildung in Deutschland bleiben kann. Für die Zukunft. Ich möchte meine Ausbildung erfolgreich abschließen und dann in meinem gelernten Beruf arbeiten. Mein größerer Sohn hat zwei Jahre den Kindergarten besucht und beendet jetzt bald die erste Klasse. Mein jüngerer Sohn geht seit Dezember letzten Jahres in den Kindergarten. Meine Frau lernt gerade in einem Deutschkurs und hat vor, ab Sommer in einem Frisörsalon zu arbeiten. Wir fühlen uns in Deutschland sehr wohl, sind hier „angekommen“ und wünschen uns, in Deutschland bleiben zu können. Leipzig im Juli 2018.

AVNI